Die Entwicklung im 17. Jahrhundert

glplan2Glückstadt überflügelte bald Itzehoe, Krempe, Wilster und andere Städte in Schleswig-Holstein an Einwohnerzahl und Bedeutung. Der Ausbau der Stadt, vor allem der Festungsanlagen, wurde ab 1620 mit dem Einsatz von fast 1.000 Soldaten und großen Material- und Geldmengen mächtig vorangetrieben. Festungsgräben wurden ausgehoben, Wälle, Schanzen und Bastionen aufgeworfen, Proviant-, Zeug- und Wachhäuser, Tore, Pulvertürme, eine Geschützgießerei, Proviantmühlen und Proviantbäckereien gebaut, komplizierte Ent- und Bewässerungssysteme angelegt, ein Hafen und ein breites Fleth in Nord-Süd-Richtung durch die ganze Stadt für die Schifffahrt hergerichtet. So ausgerüstet konnte Glückstadt schon 1627/28 als einzige Stadt des Landes der Belagerung Wallensteins im Dreißigjährigen Krieg widerstehen.

Nach dem Separatfrieden der Dänen mit der katholischen Kriegspartei 1629 in Lübeck wurde Glückstadt zum Zentrum der dänischen Aktivitäten in Schleswig-Holstein und als deutsche Residenz des Königs Operationsbasis seiner Politik gegenüber Hamburg und den auf der anderen Elbseite liegenden Ländern. 1639 beschloss Christian IV. eine Erweiterung der neuen Stadt nach Süden um fast das Doppelte, was aber wegen des Krieges mit Schweden 1643 gestoppt und nach 1648 aufgegeben werden musste. 1656 war südlich des Hafens ein erheblich verkürzter Festungsgürtel fertig gestellt. In diesen Grenzen verblieb Glückstadt bis zur Schleifung der Befestigungsanlagen 1814 - 1816.

1644/45 wurde von hier aus Holstein erfolgreich gegen die Schweden verteidigt. Die Festung schien uneinnehmbar. Deshalb wurde 1649 die Regierungskanzlei für Schleswig und Holstein von Flensburg hierher verlegt. Dieser Kanzlei wurde später eine Reihe höchster Landesgerichte angegliedert. Damit war Glückstadt die Hauptstadt des königlichen Teils in diesem Land und blieb es, bis die Dänen 1863 Glückstadt verließen und Kiel neuer Regierungssitz wurde. 1867 wurde Schleswig-Holstein preußische Provinz.

Als Residenzstadt konnte sich unsere Stadt schon 1630 bezeichnen, denn Christian IV. hatte sich am Hafen ein kleines Schloss gebaut und in einiger Entfernung davon einen Garten mit Lusthaus anlegen lassen. Schon unter seinem Nachfolger verwaiste der Garten, dessen Gelände in die neuen Befestigungsanlagen 1656 einbezogen wurde. Das Schloss musste 1710 wegen Baufälligkeit abgebrochen werden. Aber die großen Palais, die sich die adligen Mitglieder der Kanzlei bauten, zeugen auch heute noch von der Regierungsstadt.

Glückstadt war nicht nur Garnison, Festung und Residenz, sondern vor allem im 17. Jahrhundert auch ein internationaler Hafen- und Handelsplatz. Das verdankt es im Wesentlichen zwei Bevölkerungsgruppen, die vor allem aus religiösen und politischen Gründen ihre Heimatländer verlassen hatten: den portugiesischen Juden und den reformierten Holländern. Sie kamen auch nach Glückstadt mit ihrem Kapital, mit ihren Schiffen und weltweiten Geschäftsbeziehungen. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts, als sich zeigte, dass Glückstadt nicht annähernd zu solcher Blüte wie Hamburg gelangen könnte, verließen die Fremden unsere Stadt wieder. Und so haben Militär und Regierung Glückstadt stärker geprägt als der Handel.